ein drittel des trios ist in new york. keisuke lernt und schaut sich um im big apple. er wird momentan vertreten von sascha stiehler. der junge mann spielt tasten, übersetzt auf faszinierende weise keisukes gitarre in schwarz und weiss.
das album, stilecht selbstbetitelt, ist auch weiterhin, mit jedem hören, fantastisch. das hat auch die intro gemerkt und schreibt treffend: “großartiger sound zwischen jazz, ambient und postrock”. wer sich davon überzeigen will, besucht unseren konsum.
doch bevor keisuke erstmal abgehauen ist, traf sich das originaltrio in erfurt, um im studio 3 songs in bild und ton aufzunehmen. video nummer 2 ist jetzt zugänglich und ist für dich. für euch. hammer.
die drei jungs von TRIO SCHMETTERLING sind alle vielbeschäftigt, gitarrist keisuke matsuno ist gar für ein stipendium zwischenzeitlich nach new york gezogen. stilecht mit wohnung auf dem broadway.
bevor die drei einen ozean zwischen sich gelegt haben, waren sie noch einmal zusammen im studio. und zwar nicht allein, sondern mit fünf zuschauern und ‘ner kamera.
christoph blankenburg und frieder oelze (der für das artwork von “untitled” verantwortlich zeichnet) haben ein kleines set von TRIO SCHMETTERLING im studio von clueso geschossen und herausgekommen sind drei fantastische videos, die wir euch jeweils an den kommenden montagen hier präsentieren.
fernsehen ist ja eine ambivalente geschichte. durchaus kreative ausdrucksformen stehen tonnen trash gegenüber. fernsehen kann bilden und unterhalten, es kann aber auch lähmen und einem die aufmerksamkeitsspanne eines ads-geschädigten kindes verpassen/OH EIN EICHHÖRNCHEN!
wenn man die 5 % gutes fernsehen nimmt, ist die late night-show sicherlich die königsdisziplin. auch wenn das deutsche fernsehen mit dem mittleren schmidt (also nach feuerstein und vor narzisitischer langeweile) eine passable variante hatte, liegen die us-legenden wie lettermann, leno oder jon stewart immer noch weit darüber. politik, unterhaltung, satire und boulevard kommen hier im besten fall so zusammen, dass eine unterhaltsame variante des feuilletons zustande kommt.
ein wiederkehrendes element sind live-auftritte von musikern, die von gelangweilter promo bis kalkuliertem skandal reichen können. beim indiepedia-blog sind wir vorhin über einen grandiosen auftritt von JANELLE MONÁE bei david lettermann gestolpert:
die 24-jährige (!) musikerin mit der toupierten tolle dürfte deutschen fernsehkieckern mit ihrer version des hot-chocolate-klassikers “are you getting enough happiness” aus der brause-reklame bekannt sein.
durch die popkulturellen leitmedien tigert sie seit einigen wochen mit ihrem zweiten album “the archandroid”. INTRO hört in ihrem sound nicht weniger als die verschmelzung von r’n'b, soul, rockabilly, klassik, jazz, punk, mary poppins und muhammad ali. für SPEX ist sie ein “tolle tragender soul-cyborg”. dazu kommt noch ein umfassendes, auf fritz langs “metropolis” basierendes kunst-konzept, dass das neue album auf der zweiten und dritten suite der filmmusik basiert und zusätzlich sowohl als film, als auch als comic erscheint. totally insane.
was aus ihrer obigen performance samt remineszenz an james browns legendäres kniefall-cape (ab 3:02) am deutlichsten hervorgeht: die junge dame LEBT ihre auftritte. angeblich wollte sie ursrpünglich musical-darstellerin werden, was ihren hang zu extrovertierten gesten und tanzeinlagen erklären würde. klar resultiert ihre hit- und tempofreude sicherlich auch daraus, dass sie derzeit mit hilfe von big boi und puffy -- der sie zuerst über myspace kontaktiert haben soll -- zum pop-sternchen aufgebaut wird.
der entscheidende unterschied zu “mitbewerberinnen” wie rihanna und co.: sie macht das ganze ohne dekolleté, beinausschnitt oder rückenfreie wälzeinlagen -- nicht das das bei beyoncé nicht gut aussähe, aber mal ehrlich es fällt dann doch auf, wenn eine junge sängerin im pop biz explizit nicht als körper ausgestellt wird. JANELLE MONÁE begeistert stattdessen mit ihrer energie, bühnepräsenz und detailverliebten zuneigung zu den popmusikalischen ahnen der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts. gleichzeitig ist sie eine mündige künstlerin, die sich mit der “wondaland arts society” ihr eigenes künstlernetzwerk in atlanta aufgebaut hat.
genug gelobt, hier noch zwei offizielle streams aus “the archandroid” bei soundcloud:
lief am freitag bei roteraupe als news vom tag: der dancige track mit MeMes stimme ist schon eine feine sache - aber das video, WTF?! die illustratoren und animations-stop-motion-typen kristof luyckx und michele vanparys lassen ein rotkehlchen einen tollkirschen(?)-trip samt einhorn-sex und katzen-geisterbahn erleben.
nein, an dieser stelle sind keine lacher gewollt. das ist finnisch und steht laut dem klienicum für eine der spannendsten bands der letzten jahre. KEMIALLISET YSTÄVÄT treiben das experimentieren und dekonstruieren im folkbereich auf die spitze. neben mandolinen und spielzeug sind in den tracks auch samples von stockhausen-aufnahmen zu finden. da ich eine schwäche für diesen neumodischen bindestrich-folk-varianten habe: einige nennen das freak-folk, andere auch psych-folk . das neue album “ullakkopalo” kommt noch diesen sommer und “kivikasan rauhassa” – zu deutsch “ein haufen von steinen in frieden” – fungiert quasi als ankündigung.
das minimalistische video spielt mit einstellungen, die im gegenlicht durch baumkronen filmen. stills mit lichteffekten und aus dem fahrenden auto geschossene bilder wechseln sich ab. visueller gegenpol zum drogenindizierten einhornsex.
zum abschluss etwas cineastisches via nerdcore: BLITZ THE AMBASSADOR ist bekannt für sein sendungsbewusstsein, so hat er sich nichts geringeres zum ziel gesetzt als hip hop zum globalen phänomen zu machen. damit meint er nicht favela rap, electro-geremixte beats oder stylishe konzeptkunstprojekte, sondern DEN hip hop. der song “something to believe in” ist auch dementsprechend gehalten, sauber oldschool mit anleihen an funk und gospel.
das video von terence nance erweitert den song zum kurzfilm. brooklyn als set und die leicht mystische tiefe machen das ding trotz einiger genretypischen bildklischees sehenswert.
kanada ist das bessere amerika: alle zivilisatorischen fortschritte wie sozialstaat und breite autobahnen bei abwesenheit der degeniererenden nebenfolgen wie übermäßigem schusswaffengebrauch und gewalt -- einige situationen beim jüngsten g20-treffen mal ausgenommen.
das muss sich ja früher oder später auch musikalisch manifestieren. neil young und céline dion sind da sicherlich nicht das ende der fahnenstange. THE BROKEN SOCIAL SCENE, versammelt als indie super-group zahlreiche geniale leute wie z.b. feist, kevin drew, oder john mcentire von tortoise und kann als amalgam der kanadischen indie-szene betrachtet werden.
neben der 19-köpfigen barock-indie-pop-rock-truppe aus toronto gibt es aber natürlich zahlreiche hörenswerte bands, von denen LAND OF TALK aus montreal eine ist. dem quebec, dem französischsprachigen landesteil im westen, verdanken wir einige großartige acts wie arcade fire und rufus wainwright -- die ebenso wie LAND OF TALK allerdings alle auf englisch schreiben und singen.
elizabeth powell (voc/git), joseph yarmush (bass) und andrew barr (drums) spielen einen sehr melodischen indie-rock, der manchen vielleicht zu leicht ist. der song “it’s okay” mit seiner schleppenden morgenmelancholie erdet einen dafür aber sicher. das video zum song ist übrigens auch für die kanadischen musik awards nominiert: