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der riese // the giant

es ist ja sommer in deutschland. eigentlich wird es da überall ruhiger, clubs haben zu, man erreicht kaum jemanden um konzerte für den herbst abzuklären, die zeitungen haben nur noch eine grundbesatzung in den büros, die das sommerloch verwaltet. aber im analogsoulkonsum geht die post ab. wir stecken die köpfe zusammen, ILLUTEs releasetour ist quasi fertig, aber die letzten freien tage wollen auch noch gefüllt sein, pressetermine werden gemacht. ab und zu lehnen wir uns einen moment zurück.

PRESSEBILD1

aber nicht zu lang. das nächste große ding steht an. ME AND OCEANS veröffentlicht mit “lakes” im oktober eine fantastische ep und auch dort sind die ersten telefonate geführt, konzerte gebucht, ein tolles video ist fertig und wir sitzen in den startlöchern. und weil wir nicht immer nur sachen verkaufen wollen, sondern ja auch liebend gern dinge verschenken, gibt es heute mal wieder einen song zum freien download, der die wartezeit verkürzt auf die cd und die konzerte von ME AND OCEANS im herbst.

MEANDOCEANS_the_giant by Analogsoul


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MUSIQUE BOUTIQUE // feindrehstar

die band des festivalsommers. das album des jahres. superlative noch und nöcher. FEINDREHSTAR haben grad das nachtdigital bereichert, dort alles geflasht, was nicht bei drei auf den bäumen war und es geht weiter. das album ist grad auf krause erschienen, wird von kompakt vetrieben und da steckt ordentlich punch dahinter.

fds_Pressefoto 3

viele menschen hören im zuge des releases und der verstärkten livepräsenz wahrscheinlich 2010 zum ersten mal von FEINDREHSTAR. aber die band hat eine bewegte und vor allem lange geschichte hinter sich. vor mehr als 10 jahren im beschaulichen jena als live hiphopband gegründet wurde aus feindrehstar über die zeit eine der besten organic-uptempo-live-house-rave-bands dieses planeten. das klingt massiv übertrieben, aber jeder der das mal live gesehen hat, wird mit vor ehrfurcht ernster miene nicken.

wir empfehlen dringend sich das album VULGARIAN KNIGHTS ranzuholen, auf feindrehstar.de gibts nen ausführlichen preview in die geschichte. hier der videotrailer, mitm lothar.

voller stolz noch der dezent platzierte hinweis, das FEINDREHSTAR teil der MUSIQUE BOUTIQUE sind. yeah.

03./04. SEPTEMBER // ERFURT // stadtgarten.

EDIT: doele hat gerade in den facebook-comments noch dieses raw’n'uncut-video von der releaseparty gepostet. yeah!

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aufgemerkt // JANELLE MONÀE

fernsehen ist ja eine ambivalente geschichte. durchaus kreative ausdrucksformen stehen tonnen trash gegenüber. fernsehen kann bilden und unterhalten, es kann aber auch lähmen und einem die aufmerksamkeitsspanne eines ads-geschädigten kindes verpassen/OH EIN EICHHÖRNCHEN!

wenn man die 5 % gutes fernsehen nimmt, ist die late night-show sicherlich die königsdisziplin. auch wenn das deutsche fernsehen mit dem mittleren schmidt (also nach feuerstein und vor narzisitischer langeweile) eine passable variante hatte, liegen die us-legenden wie lettermann, leno oder jon stewart immer noch weit darüber. politik, unterhaltung, satire und boulevard kommen hier im besten fall so zusammen, dass eine unterhaltsame variante des feuilletons zustande kommt.

ein wiederkehrendes element sind live-auftritte von musikern, die von gelangweilter promo bis kalkuliertem skandal reichen können. beim indiepedia-blog sind wir vorhin über einen grandiosen auftritt von JANELLE MONÁE bei david lettermann gestolpert:

die 24-jährige (!) musikerin mit der toupierten tolle dürfte deutschen fernsehkieckern mit ihrer version des hot-chocolate-klassikers “are you getting enough happiness” aus der brause-reklame bekannt sein.
durch die popkulturellen leitmedien tigert sie seit einigen wochen mit ihrem zweiten album “the archandroid”.  INTRO hört in ihrem sound nicht weniger als die verschmelzung von r’n'b, soul, rockabilly, klassik, jazz, punk, mary poppins und muhammad ali.
für SPEX ist sie ein “tolle tragender soul-cyborg”. dazu kommt noch ein umfassendes, auf fritz langs “metropolis” basierendes kunst-konzept, dass das neue album auf der zweiten und dritten suite der filmmusik basiert und zusätzlich sowohl als film, als  auch als comic erscheint. totally insane.

was aus ihrer obigen performance samt remineszenz an james browns legendäres kniefall-cape (ab 3:02) am deutlichsten hervorgeht: die junge dame LEBT ihre auftritte. angeblich wollte sie ursrpünglich musical-darstellerin werden, was ihren hang zu extrovertierten gesten und tanzeinlagen erklären würde. klar resultiert ihre hit- und tempofreude sicherlich auch daraus, dass sie derzeit mit hilfe von big boi und puffy -- der sie zuerst über myspace kontaktiert haben soll -- zum pop-sternchen aufgebaut wird.

der entscheidende unterschied zu “mitbewerberinnen” wie rihanna und co.:  sie macht das ganze ohne dekolleté, beinausschnitt oder rückenfreie wälzeinlagen -- nicht das das bei beyoncé nicht gut aussähe, aber mal ehrlich es fällt dann doch auf, wenn eine junge sängerin im pop biz explizit nicht als körper ausgestellt wird.
JANELLE MONÁE begeistert stattdessen mit ihrer energie, bühnepräsenz und detailverliebten zuneigung zu den popmusikalischen ahnen der zweiten hälfte des 20. jahrhunderts. gleichzeitig ist sie eine mündige künstlerin, die sich mit der “wondaland arts society” ihr eigenes künstlernetzwerk in atlanta aufgebaut hat.

genug gelobt, hier noch zwei offizielle streams aus “the archandroid” bei soundcloud:

janelle monae / the archandroid by weworemasks

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video // dreier zum montag

menschmenschmensch, was am wochenende alles so aufläuft! wir haben euch aus den netzfundstücken mal ‘nen flotten musikvideo-dreier gebastelt.

 

HERMANOS INGLESOS feat. MeMe // wanderland

lief am freitag bei roteraupe als news vom tag: der dancige track mit MeMes stimme ist schon eine feine sache - aber das video, WTF?! die illustratoren und animations-stop-motion-typen kristof luyckx und michele vanparys lassen ein rotkehlchen einen tollkirschen(?)-trip samt einhorn-sex und katzen-geisterbahn erleben.


Direkt-Wanderland.

 

KEMIALLISET YSTÄVÄT // kivikasan rauhassa

nein, an dieser stelle sind keine lacher gewollt. das ist finnisch und steht laut dem klienicum für eine der spannendsten bands der letzten jahre. KEMIALLISET YSTÄVÄT treiben das experimentieren und dekonstruieren im folkbereich auf die spitze. neben mandolinen und spielzeug sind in den tracks auch samples von stockhausen-aufnahmen zu finden. da ich eine schwäche für diesen neumodischen bindestrich-folk-varianten habe: einige nennen das freak-folk, andere auch psych-folk . das neue album “ullakkopalo” kommt noch diesen sommer und “kivikasan rauhassa” – zu deutsch “ein haufen von steinen in frieden” – fungiert quasi als ankündigung.
das minimalistische video spielt mit einstellungen, die im gegenlicht durch baumkronen filmen. stills mit lichteffekten und aus dem fahrenden auto geschossene bilder wechseln sich ab. visueller gegenpol zum drogenindizierten einhornsex.


Direkt-Kemialliset.

 

BLITZ THE AMBASSADOR // something to believe in (directors cut)

zum abschluss etwas cineastisches via nerdcore: BLITZ THE AMBASSADOR ist bekannt für sein sendungsbewusstsein, so hat er sich nichts geringeres zum ziel gesetzt als hip hop zum globalen phänomen zu machen. damit meint er nicht favela rap, electro-geremixte beats oder stylishe konzeptkunstprojekte, sondern DEN hip hop. der song “something to believe in” ist auch dementsprechend gehalten, sauber oldschool mit anleihen an funk und gospel.
das video von terence nance erweitert den song zum kurzfilm. brooklyn als set und die leicht mystische tiefe machen das ding trotz einiger genretypischen bildklischees sehenswert.


Direkt-Blitz.

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interview // DEEF

deef - fahrradreiseam 06.08. – also kommenden freitag – erscheint unser neuer online release deef & freunde bescheren uns mit “kolonie” eine athmosphärische electro-ep. deef interssiert sich für musik und das meistens häufig. die stadt mag er nicht besonders und so ist der titel der ep programmatisch für die suche nach einer eigenen form von zusammensein im grünen.

deef ist mit seinem fantastischen projekt an uns herangetreten, was uns sehr gefreut hat. es ist sehr angenehm, jemanden über seine musik kennen zu lernen. da ihr das erst in sieben tagen könnt, haben wir ihm schon mal vorab ein paar fragen gestellt. deef wollte über “gott und die welt sprechen”, weil es bei musik ja sowieso um’s hören geht.

EDIT: nicht zu vergessen: die fotos zum interview stammen aus niklas plessings serie “fahrradreise” “albert, is it you?”.

deef, deine ep heißt “kolonie” und erzählt musikalisch z.b. durch vogelzwitschern vom draußen sein. welches draußen ist das?

das draußen ist die nicht-stadt. oft mit pflanzen bewachsen, aber auch steppen sind köstlich.

was stört dich an der stadt?

die stadt erinnert mich durch ihre städtische beschaffenheit an von menschen erschaffene sprache, regeln. stadt – besitzansprüche, beschaffenheit, die zukleisterung mit namen:
dach, wand, straße, ampelanlage, gleise, traurig-verdriesslich-empörte passantenanlagen, autoanlagen, pfand – weg von der annäherung an phänomenal Wahrnehmbares.
ich versinke in der sprache und vergesse zu fühlen und das ist schade, denn ich mag fühlen.
man würde jetzt entgegnen: aber bäume, blätter, wälder sind auch auf einen zukommende namen. dies sei korrekt aber all das zeug ist ohne namen passiert. es hat keine namen benötigt, die namen sind da einfach egal. dächer brauchen dagegen namen, um sie zu bauen.
außerhalb der stadt finde ich schneller und leichter in den bewusstseinszustand bei dem mir die sprache entgleitet.
dieser zustand fühlt sich für mich natürlich-fließender an. als wäre ich näher am mystischen kern der existenz, patheto-esoterisch gesprochen.
(selbstentlarvende entschuldigungen sind erlaubt, aber nur als entlarvungsvorwegnehmende legitimation und das ganze dann als scheinargument!!)

deef - fahrradreisewie produzierst du dann – gleich vor ort draußen, oder mit field recordings, die du dann am rechner zusammen baust?

neee, draußen nie. mein dicker laptop is mir zu schwer. die full HD-auflösung blendet nur unnötig und lenkt ebenfalls von kontemplation ab.
aber seit einem zeitabschnitt nehme ich draußen sachen (vögel, zweige, bienen etc.) auf und verwerte sie liebend gerne, damit ich besser bin als boards of canada, weil sie nur kinder und andere Menschen aus den 70er und 80ern drin haben. leider kann ich mir keinen ordentlichen R2R-recoder leisten, um die analog-wärme reinzubringen. deswegen haben meine freunde einen gefunden, aber es klappt dennoch nicht so gut -
die bänder verwickeln sich dauernd.

was inspiriert dich außer ‘dem draußen’ zu deiner musik?

alles was mich konstituiert, inspiriert mich, also alles was mich macht. oft aber auch andere tracks. ich bin dann erfüllt von ihrer wunderbarigkeit und diese energie muss dann sofort raus – da kann und will ich mich nicht groß wehren.

wer sind die freunde, die du auf der ep als interpreten mit nennst?

das sind christian wagner an e-gitarre, vocal und okarina, alessia mandanici spielt akustische gitarre und sebastian s. an der e-gitarre. alles passionierte, junge musiker, jünger als alt. aufzählungsmusiker. ich war zu faul mit allen zu besprechen, ob und unter welchen namen und überhaupt und so weiter – deswegen “freunde” – wollte auch die unmusikalischen freunde als mitwirker miteinbeziehen.
die meisten von ihnen treffe ich mittlerweile sehr sehr selten persönlich, als auch unpersönlich – orte haben sich veschoben und ich habe sowieso zu viel mit interviewanfragen zu tun.deef - fahrradreise

du scheinst jemand zu sein, der sowohl mit dem bauch arbeitet, als auch einen kritischen überbau für sein schaffen hat. daher hier die gelegenheit für dich, der welt zu sagen, was du ihr sagen willst:

vielen dank für das interview.
ich bin selber ein passionierter dichter und möchte noch kurz mein lieblingsgedicht von brecht zitieren:
kommt ein pferd in die bar. fragt der kellner: “was darfs denn sein? was möchten sie.” antwortet das pferd: “so’n bier wär ganz gut eigentlich. es ist ja ein heißer tag.” der kellner entgegnet hastig: “ah, nee wir bedienen keine pferde hier. dies ist eine pferdefreie bar! bitte gehen sie.”
der mann, der die ganze Zeit neben dem pferd saß, meldet sich plötzlich: “och, meine frau hat mich grad rausgeschmissen. ich hätte gerne noch ein mineralwasser, aber erst mal muss ich dieses iPhone hier auf diese bar legen. ja, ganz genau.”
irgendjemand sagt von hinten: “wie war das nochmal? egal, hab’s vergessen. muss nochmal kurz nachdenken. ich hol mal was an der bar – so laut hier – is’ bestimmt wegen den pferden!”

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