Archived entries for electro

release // DEEF+FREUNDE “kolonie”

ANA018_COVERvor mittlerweile einigen monaten lag ‘ne mail von einem unbekannten absender im digitalen postfach. der inhalt: die ebenso überraschende wie sympathische nachfrage, ob wir die musik des absenders veröffentlichen wollen.

ein paar email-konversationen und ein interview später liegt er vor euch, unser 18. online release: DEEF+FREUNDE “kolonie”. eine fantastische electro ep die den kopf unterwandert und da ansetzt, wo sprache nicht hinreicht.

DEEF findet außerhalb der stadt schneller und leichter in den bewusstseinszustand, bei dem ihm die sprache entgleitet. “kolonie” erzählt deshalb vom draußen und dessen freiheit von verformenden begriffen. keine angst vor zu viel überbau: DEEFs musik ist deutlich näher am wahrnehmbaren als am zu durchdenkenden. eine natürlich-fließende electro-ep die versucht, dem ungleichgewicht entgegenzuwirken.

 

DOWNLOAD: DEEF+FREUNDE “kolonie” [rechtsklick-save as]


released und CC3.0 license: you’re free to share and remix it, but only if you give credit to the artist and analogsoul as label. this is a free online release, you’re not permitted to use it in commercial ways.

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interview // DEEF

deef - fahrradreiseam 06.08. – also kommenden freitag – erscheint unser neuer online release deef & freunde bescheren uns mit “kolonie” eine athmosphärische electro-ep. deef interssiert sich für musik und das meistens häufig. die stadt mag er nicht besonders und so ist der titel der ep programmatisch für die suche nach einer eigenen form von zusammensein im grünen.

deef ist mit seinem fantastischen projekt an uns herangetreten, was uns sehr gefreut hat. es ist sehr angenehm, jemanden über seine musik kennen zu lernen. da ihr das erst in sieben tagen könnt, haben wir ihm schon mal vorab ein paar fragen gestellt. deef wollte über “gott und die welt sprechen”, weil es bei musik ja sowieso um’s hören geht.

EDIT: nicht zu vergessen: die fotos zum interview stammen aus niklas plessings serie “fahrradreise” “albert, is it you?”.

deef, deine ep heißt “kolonie” und erzählt musikalisch z.b. durch vogelzwitschern vom draußen sein. welches draußen ist das?

das draußen ist die nicht-stadt. oft mit pflanzen bewachsen, aber auch steppen sind köstlich.

was stört dich an der stadt?

die stadt erinnert mich durch ihre städtische beschaffenheit an von menschen erschaffene sprache, regeln. stadt – besitzansprüche, beschaffenheit, die zukleisterung mit namen:
dach, wand, straße, ampelanlage, gleise, traurig-verdriesslich-empörte passantenanlagen, autoanlagen, pfand – weg von der annäherung an phänomenal Wahrnehmbares.
ich versinke in der sprache und vergesse zu fühlen und das ist schade, denn ich mag fühlen.
man würde jetzt entgegnen: aber bäume, blätter, wälder sind auch auf einen zukommende namen. dies sei korrekt aber all das zeug ist ohne namen passiert. es hat keine namen benötigt, die namen sind da einfach egal. dächer brauchen dagegen namen, um sie zu bauen.
außerhalb der stadt finde ich schneller und leichter in den bewusstseinszustand bei dem mir die sprache entgleitet.
dieser zustand fühlt sich für mich natürlich-fließender an. als wäre ich näher am mystischen kern der existenz, patheto-esoterisch gesprochen.
(selbstentlarvende entschuldigungen sind erlaubt, aber nur als entlarvungsvorwegnehmende legitimation und das ganze dann als scheinargument!!)

deef - fahrradreisewie produzierst du dann – gleich vor ort draußen, oder mit field recordings, die du dann am rechner zusammen baust?

neee, draußen nie. mein dicker laptop is mir zu schwer. die full HD-auflösung blendet nur unnötig und lenkt ebenfalls von kontemplation ab.
aber seit einem zeitabschnitt nehme ich draußen sachen (vögel, zweige, bienen etc.) auf und verwerte sie liebend gerne, damit ich besser bin als boards of canada, weil sie nur kinder und andere Menschen aus den 70er und 80ern drin haben. leider kann ich mir keinen ordentlichen R2R-recoder leisten, um die analog-wärme reinzubringen. deswegen haben meine freunde einen gefunden, aber es klappt dennoch nicht so gut -
die bänder verwickeln sich dauernd.

was inspiriert dich außer ‘dem draußen’ zu deiner musik?

alles was mich konstituiert, inspiriert mich, also alles was mich macht. oft aber auch andere tracks. ich bin dann erfüllt von ihrer wunderbarigkeit und diese energie muss dann sofort raus – da kann und will ich mich nicht groß wehren.

wer sind die freunde, die du auf der ep als interpreten mit nennst?

das sind christian wagner an e-gitarre, vocal und okarina, alessia mandanici spielt akustische gitarre und sebastian s. an der e-gitarre. alles passionierte, junge musiker, jünger als alt. aufzählungsmusiker. ich war zu faul mit allen zu besprechen, ob und unter welchen namen und überhaupt und so weiter – deswegen “freunde” – wollte auch die unmusikalischen freunde als mitwirker miteinbeziehen.
die meisten von ihnen treffe ich mittlerweile sehr sehr selten persönlich, als auch unpersönlich – orte haben sich veschoben und ich habe sowieso zu viel mit interviewanfragen zu tun.deef - fahrradreise

du scheinst jemand zu sein, der sowohl mit dem bauch arbeitet, als auch einen kritischen überbau für sein schaffen hat. daher hier die gelegenheit für dich, der welt zu sagen, was du ihr sagen willst:

vielen dank für das interview.
ich bin selber ein passionierter dichter und möchte noch kurz mein lieblingsgedicht von brecht zitieren:
kommt ein pferd in die bar. fragt der kellner: “was darfs denn sein? was möchten sie.” antwortet das pferd: “so’n bier wär ganz gut eigentlich. es ist ja ein heißer tag.” der kellner entgegnet hastig: “ah, nee wir bedienen keine pferde hier. dies ist eine pferdefreie bar! bitte gehen sie.”
der mann, der die ganze Zeit neben dem pferd saß, meldet sich plötzlich: “och, meine frau hat mich grad rausgeschmissen. ich hätte gerne noch ein mineralwasser, aber erst mal muss ich dieses iPhone hier auf diese bar legen. ja, ganz genau.”
irgendjemand sagt von hinten: “wie war das nochmal? egal, hab’s vergessen. muss nochmal kurz nachdenken. ich hol mal was an der bar – so laut hier – is’ bestimmt wegen den pferden!”

improvisation // ENSEMBLE PRISMA SONORUM

leipzig kann auf eine facettenreiche szene für improvisierte musik verweisen. natürlich ist der kreis der macher und liebhaber dieser aus dem moment entstehenden, technisch anspruchsvollen und häufig auch atonalen musik eher klein. im vergleich zu anderen “kulturstädten” wie berlin etwa, ist improviserte musik in leipzig aber lebendiger teil der konzert-szene und erfreulich häufig zu erleben.

festivals wie das DOPPELPLUSFREI, das es über ein langes wochenende im vergangenen jahr mit einem experimentellen ansatz geschafft hat, ein breiteres publikum auf diese musik aufmerksam zu machen, sind ausdruck dieser aufgeschlossenheit.
mit der kollaboration zwischen SIMONE WEISSENFELS und ADAM SMITH haben wir ende 2008 selbst die fühler in die szene ausgetreckt und mit “arrival” eine hervorragend rezensierte improvisations-platte der beiden herausgebracht.

sehr versierte vertreter dieser zunft sind auch LIN HUI-CHUN (taiwan) und KO PYOUNG-ROUNG (südkorea). die cellistin lin und ihr elektronischer kompagnion leben beide in leipzig und spielen morgen im waldfrieden in connewitz.kostenloser download "TAIWAN FREE SOUND"

als elektro-akustisches ENSEMBLE PRISMA SONORUM werden lins cello-improvisationen von ko abgenommen und elektronisch verfremdet. teils tragend, teils bedrohlich ensteht so ein “hintergrund-gewitter”, das wieder ins live-signal eingespeist wird.

wie das ganze – abseits des versuchs es verbal zu beschreiben – klingt, könnt ihr unten im player hören. der titel “improvisation 3″ entstammt dem frei downloadbaren sampler “taiwan free sound” des taiwanesischen labels KANDALA RECORDS. die doppel-cd kann dort unter “releases” als mp3- oder verlustfreie .flac-version heruntergeladen werden.


den tipp verdanke ich übrigens peter, der gestern meine mitfahrgelegenheit nach leipzig war. anbei die termine für die nächsten auftritte von ENSEMBLE PRISMA SONORUM – vielleicht will ja jemand mitfahren ; )

25. Apr // Waldfrieden // Leipzig // 20 Uhr
29. Apr // Gelegenheiten // Berlin // 20.30 Uhr
03. Mai // Café Wendel // Berlin

tracks // es klinKt wieder

KLINKE AUF CINCH: martin & lutz

beiträge, die mit dem wetter oder der persönlichen befindlichkeit des autors einsteigen, sind üblicherweise ein zeichen für ausgeprägte einfallslosigkeit. in diesem fall möchte ich euch aber versichern, dass folgender einstieg auf einem gerade erlebten, tiefen gefühl basiert ; )

montagmorgen, die sonne scheint und trotzdem komme ich heute nur schwer aus dem knick: das spätestens seit garfield medizinisch anerkannte montagmorgen-syndrom.
plötzlich blinkt ein skypefenster auf. ich überlege kurz, den einfachsten weg zu gehen und es gar nicht erst zu öffnen. aber gut, es ist cle.

er weist mich auf zwei neue tracks im myspace-player von KLINKE AUF CINCH hin. dass die elektrokombo aus jena seit einiger zeit um die stammkräfte clemens kynast (keys, electronics) und lutz hartmann (mpc, turntables) nun auch mit martin pfützenreuter (vocals) und patrick foellmer (guitar, vocals, trombone, trumpet) in modifizierter besetzung antritt, hatten wir ja schon mal fallen lassen, jetzt gibt’s dazu aber auch hörbares: “musicbox” und “ostbad” lauern jungfräulich im player und warten auf begierige ohren.

besonders “ostbad” möchte ich euch ans herz und unten in den player legen, der track hat mich gerade da abgeholt, wo ich war: mit der unsichtbaren käseglocke vor’m kopf hinterm bildschirm. und er hat mich dahin geführt, wo man heute unbedingt hin sollte: boxen aufgedreht, kaffee ran, fenster auf und lebensgier wecken!

ich beneide alle von euch, die heute abend die chance haben, KLINKE AUF CINCH live beim cinebeats (einer art semesteranfangs-party) in jena zu erleben. die türen im dortigen cinestar gehen 21 uhr auf. die KLINKE-jungs spielen gegen 23.30 uhr. nochmal in präzise:

heute, ab 21 uhr, “cinebeats” mit KLINKE AUF CINCH im jenaer cinestar (holzmarkt 1, 07743 jena).

 

und hier das rezeptfreie medikament gegen das montagmorgen-syndrom: “ostbad”.


vorgestellt // mittwochs-midi-jam in berlin

Schlecken & Schlucken IXwir werden hin und wieder gefragt, welche musikrichtung analogsoul eigentlich veröffentlicht. die antwort ist vielleicht nicht das, was man einen konkreten musikstil nennt, aber dennoch präzise: wir veröffentlichen musik, die progressiv ist, die etwas besonderes besitzt und die schlicht hohen wert hat – was ausdrücklich nicht überbordende komplexität bedeuten muss.

daher sind wir natürlich auch fans von ähnlichen ansätzen und projekten. freunde von uns, die jungs von sugarcandymountain aus berlin, fallen da genau rein. seit einigen wochen veranstalten sie mittwochs eine jamsession für elektronische musik. wie das klingt, könnt ihr unten im soundcloud-player hören. [ich teste das widget zum ersten mal, wenn es arg zu langsam ist, bitte kurze rückmeldung in den comments]

heute steht die neunte ausgabe des jams – diesmal unter dem namen “schlecken und schlucken IX” – an. ich habe initiator colya (foto) dazu ein paar fragen gestellt.

 

was bitte ist der mittwochs midi-jam und warum hat die welt (berlin) ihn dringend gebraucht?

ich weiß nicht, ob die welt oder berlin den mitwochs-midi-jam so dringend braucht. eigentlich haben wir als LAN diesen abend aus rein egoistischen beweggründen ins leben gerufen. wir wollten einen abend in der woche haben, an dem wir mit fremden und freunden ideen ausprobieren können, bier trinken und uns gegenseitig bespringen können. wir haben einen host-rechner, der über 8 midi-outs eine clock rausschickt, so dass sich jam-freudige mit ihren synthies, loop stations, beatschleuder, delays, etc. da dran hängen können. das ganze, was dann passiert, ist improvisiert. also mal geht’s sehr ab, und mal sind alle zusammen auf der suche nach dem nächsten part.

welche instrumente, welche konstruktionen kommen da zum einsatz?

einmal war der webdesigner unseres vertrauens mit seinem aus abflussrohr und gitarreneffektpedalen selbstgebauten didgeridoo da. und manchmal bringen wir auch unser luft-mischpult mit, mit dem wir den mix durch handbewegungen in der luft steuern können. aber auch altbackene instrumente wie cello, trompete und gitarren und bässe sind bei uns regelmäßig dabei.

läuft es trotz der progressiven instrumentierung ganz “klassisch”, dass jeder sein instrument mitbringt und am ende werden songs aus dem great american songbook gespielt?

nein. die einzige regel die es gibt ist: tanzbar muss es sein! wir arbeiten auf der session sehr loop-orientiert. meistens startet einer mit einem loop und dann bauen die anderen darauf den track auf. manchmal endet das im chaos, gerade wenn viele leute mitspielen, die sich musikalisch zum ersten mal begegnen. aber meistens ist es ziemlich stimmig, was dabei rauskommt. dann fragen uns oft die zuhörer: “und das war jetzt wirklich alles improvisiert?”

heute läuft die 9. ausgabe des jams. habt ihr in den letzten wochen ein stammpublikum und andere musiker für den jam begeistern können?

ja, bei unserer ersten session waren wir sechs musiker und drei zuschauer. inzwischen sind da regelmäßig mindestens dreißig leute. da zeichnet sich vielleicht sowas wie ‘ne entwicklung ab : )

verfolgt ihr mit dem mittwochs-jam ein konkretes ziel, wie etwa eine neue band zusammen zu führen?

wir haben mit unserer band LAN vor vier jahren genau so angefangen. wir kamen in einen club oder meistens in einen kreuzberger kneipenkeller und fingen an zu improvisieren. dann haben sich daraus songs entwickelt und wir haben angefangen anders zu arbeiten. mit festen proben und mehr oder weniger klaren abläufen.
irgendwie haben wir uns danach gesehnt, zurück zu den wurzeln zu gehen. natürlich bekommen wir tierisch viel kreatives input durch die sessions. und ich kann mir gut vorstellen, dass sich daraus auch die eine oder andere “ernsthafte” zusammenarbeit entwickelt. aber unser primäres ziel ist spaß und die möglichkeit, sich einmal wöchentlich mit anderen irren auszutauschen.

am ende darf man sich etwas wünschen: was wünscht Du Dir für den midi-jam?

im moment leiten wir die session mit dem kern unseres sugarcandymountain-netzwerks. wir sind also meistens zu viert und nehmen da sowas wie die dirigentenfunktion ein. das ist sehr sinnvoll, weil wenn einfach jeder die ganze zeit spielt wird das schnell anstrengend – sowohl für die musiker als auch für das publikum. ich wünsche mir, dass andere künstler oder projekte mal die technische und musikalische leitung übernehmen. dann können wir uns zurücklehnen, zuhören und mitspielen. das wäre sicher eine bereicherung für den mittwochs-midi-jam.

 



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