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matsch // DOCKVILLE 2011

der”sommer” 2011 ist auf jeden fall ein schlag ins gesicht für jeden festivalveranstalter. wir haben bis jetzt von noch keinem festival gehört, das mehr als einige wenige stunden sonne gesehen hat und komplett vom regen verschont geblieben ist. so auch das dockville. regen, regen und nochmal regen macht richtig viel matsch.

nicht weiter schlimm. auch wenn einige sich beklagen, das von veranstalterseite nicht genug dagegen unternommen wurde, loben genauso viele den erlebnisfaktor. wir können zugebenermaßen nur aus der künstlerperspektive urteilen. doch auch da gehen die meinungen auseinander. KLINKE AUF CINCH hatten das pech den wohl ziemlich chaotischen eröffnungstag zu erwischen. shows einzelner bands wurden abgesagt, manche umgelegt auf andere bühnen. teilbereiche standen komplett unter wasser und keiner wusste so richtig wo es lang geht. trübt natürlich die stimmung. KLINKE AUF CINCH dezent genervt dann irgendwann am frühen morgen vor wohl nicht mehr allzu vielen menschen.

A FOREST hingegen hatten sonntag abend mehr als glück. zum einen mit dem maschinenraum, einem riesigen zirkuszelt, die einzig trockene bühne erwischt, dann zusätzlich plötzlich aussetzender regen, leute in hochstimmung, voll, toller sound und band in bestform. dazu hatte das dockvilleteam dann auch sonntag abend vieles wieder im griff.

ansonsten:  noch “home” von edward sharpe live gesehen, wachteln im backstage, die für lecker rüherei sorgen, viel schlamm, viel matsch, glückliche menschen, jever, fritz limo, nette interviews. dockville, thanks.

update: photo 01 by http://www.dich-mag-ich.de/. photo 02 by enrice mnich.

 

release // WHO IS THE DADDY?

„Who is the Daddy?“, fragt eine stimme, die ungreifbar scheint, dicht und warm und doch distanziert und verwundert. sie stimme gehört IAN SIMMONDS, die musik fliegt um diese stimme und schmiegt sich an, fordert, beschwichtigt, dreht sich. die musik kommt von ZWEISTREIFEN, meint loslassen, loslaufen. „Who ist the Daddy?“, single und titelstück einer limierten ep-edition, gibt die richtung vor: es geht um eine suche.

heute erscheint diese wunderbare kollaboration bei uns. das titelstück gibt es als digitalsingle und zusammen mit drei weiteren songs als auf 150 exemplare limitierte cd edition. clemens Kynast und fabian schütze sind ZWEISTREIFEN. clemens kynast, kopf der liveelectronica-formation klinke auf cinch und fabian schütze, betreiber des ein-mann-orchesters me and oceans und teil des progressiv-popprojekts a forest, kennen sich seit jahren. von zeit zu zeit trifft man sich um musik zu machen, um lieder zu schreiben, die  klappern und wackeln, die sich festklammern und plötzlich aufwachen.

ZWEISTREIFEN with IAN SIMMONDS // who is the daddy? EP by analogsoul

IAN SIMMONDS zählt zu den pionieren moderner clubmusik. ob als juryman, als teil der sandals, als band mit wise in time oder schlicht als IAN SIMMONDS: der brite ist stets vorreiter, soundforscher, taucher. unzählige veröffentlichungen auf renommierten labels wie compost, K7! oder musik krause zeigen einen unglaublichen variantenreichtum und bilden zusammengenommen ein gesamtwerk, das seinesgleichen sucht. IAN verbrachte einige jahre in jena, arbeite mit lokalen künstlern und traf dort ZWEISTREIFEN. ein glücksfall.

hol dir “Who is the Daddy?” bei iTUNES oder AMAZONmp3, die limierte CD gibts bei analogsoul.de

konsumkonzert // MOOMAW

unser laden / atelier / hauptquartier in leipzig wird von zeit zu zeit ort für intime kleine inoffizielle konzerte. zuletzt war MOOMAW zu gast, zusammen mit THE SINGER NOT THE SONG. wir waren begeistert, das publikum ebenso. die spanisch-amerikanische kombination brachte allerhand kuriositäten aber ebenso schönes mit sich. nathan alias MOOMAW musste danach noch  für ein kurzes interview ran und wir starten damit eine kleine portraitserie über musiker, die bei uns in leipzig halt machen. sehenswert.

musik von THE SINGER NOT THE SONG kostenlos HIER.

die aktuelle wunderbare platte von MOOMAW als “pay-what-you-want” HIER.

video // UH-AH-AH MULTIMEDIA

zum sonntag zwei schöne fundstücke aus der rubrik “wenn deutschsprachiger schlager sich aktuellen themen widmet!”

ja, das internet. im jahr 1996 war offenbar noch nicht sor ichtig abzusehen, was genau man damit alles machen können würde. dafür standen schon eine ganze reihe neuer aufregender wörter fest, die dieses neue internet um- und beschrieben. an diesen hat der texter und komponist erich offierowski sich reichlich bedient und die eurocats mit dem song “SURFEN MULTIMEDIA” 1996 zum nationalen eurovision-vorentscheid geschickt:


[hat-tip eva!]

“komm sei ein user, geh online, im e-mail triffst du mich” – der komplette text hier.

 

ähnlich adrett hat sich der sympathische benny – eigentlich hans-jürgen – 1977 der skateboard-welle angenommen, die damals eigentlich schon eine weile am rollen war. frank farian hat den betreffenden song “SKATEBOARD UH-AH-AH” komponiert und mit seinem duo “les copains” gemeinsam mit benny auch auf englisch veröffentlicht.

der auf deutsch natürlich viel toller klingendere text (inkl. bügelbrett und raketenantrieb) stammt übrigens von hans-ulrich weigel (“am tag, als conny kramer starb”).

konzertbericht // CASPER

caspervergangenen donnerstag war CASPER zu gast im leipziger conne island. ich kannte ihn und seine musik vorher gar nicht und kam über bekannte von freunden. . . jedenfalls war das ein interessanter abend, der einen überraschenden konflikt offenbarte:

“puuuuuuh” denke ich gleich zu beginn des konzerts, “hier ist eine menge subkultureller codes zu entschlüsseln!” tatsächlich fühle ich mich ein bisschen wie ein ethnologe, denn einen act wie CASPER habe ich noch nie gesehen.

nach dem gut gelaunten support “Kraftklub”, die das publikum mit fröhlichem atzen-indie-hardcore samt proletarischer pose (SCHEISSINDIEDISKO”) und underdog-image (“Äääääääch, gomm aus Garl-Morx-Stad”) in laune gebracht haben, startet CASPERs band völlig unerwartet in prog-rock-manier: abgedimmtes grünes licht von hinten und eine portion nebel lassen nur die umrisse der musiker erahnen, die einer nach dem anderen ihr instrument in die hand nehmen und über etwa 2 minuten ein anschwellendes intro geben, dass sich auch in einer shoegaze-nummer ergießen könnte.

die atzen und hip hop-headz vor der bühne nehmen’s gelassen und skandieren schon mal den namen des rappers, der dann schwungvoll von links die bühne stürmt, sich ins mikro krallt und rockstar-posen übt. ein typ mit halblangen braunen haaren, enger grauer jeans modell prenzelberg und flanellhemd.

meine kurze youtube-recherche hatte mich auf jemanden vorbereitet, der mit kollegah und favorite rappt! aber so einfach ist das bei CASPER nicht, der 28-jährige hat auch früher schon in hardcore-projekten gesungen und hat offenbar keine ängste, die – liebe hip-hop-fans entschuldigung – doch ziemlich orthodoxe rap-szene manchmal vor den kopf zu stoßen.

der straighte rock mit sattem bass nimmt mich gut mit und ich lasse mich, wie schon bei “Kraftklub”, von der positiven energie der mucke mitreißen. nach dem dritten stück mit demselben rhythmusschema beginne ich allerdings wieder nachzudenken und frage mich, wo das eigentlich hip hop ist. offenbar stehe ich mit der frage nicht allein da: einige rapper der (eher kleinen) leipziger szene stehen relativ weit hinten und schütteln die köpfe.

der exponierte bass mag die gitarren einhegen und das schlagzeug spielt ‘ne fluffige partie, aber da ist im grunde kein funk dabei. in sehr guten momenten klingt das ganze wie die etwas wütendere weiße version von “cypress hill”. in schlechten momenten klingt das dann eher wie ne hardcorecore-version der toten-hosen – was auch an den texten liegt: CASPER hat flow und seine von den chronischen luftproblemen im conne island strapazierte stimme erinnert an dendemann oder das reimemonster. er weiß auch kluge dinge zu rappen aber manche textstellen sind zu platt und bedienen auch silbermond-ähnliche emotionale affekte. beispiel?

“Schatz frag nicht, lass einfach weiterfahren
und so tun als gäb es kein Ende der Welt
Doch weiß ein Kodakmoment wie dein Herz zerspringt
Ich daneben verschwommen, gucke genervt nach links
Genau, Mister Superstar, ich verfluch das Jahr” – CASPER, Kontrolle/Schlaf

offenbar ist die schwierigkeit dieses spagats auch CASPER bewusst, der nach der ankündigung zweier songs vom kommenden album sarkastisch hinterher schiebt: “das spielen wir dann nächstes jahr vor halb leeren jugendzentren.” vermutlich eher nicht, hat er doch erst im oktober bekannt geben, dass sein deal mit dem düsseldorfer label selfmade records (u.a. kollegah) aufgelöst wird und die neue scheibe 2011 bei four music erscheint. das label wird sich schon darum kümmern, dass die release-tour in vollen sälen gespielt wird.

jener übergangsphase wurde sich auch das publikum schnell bewusst: hip hop-fans und etwas rohere partypeople teilten sich das island mit groß bebrillten studenten: CASPER reagiert und ruft abwechselnd dazu auf, sich zum “ball der liebe” vor der bühne oder einen circle pit zu formen. moshende teenager beim einen song, stadion-rockkonzert-feeling beim nächsten.  diese unterschiedlichen erwartungshaltungen am deutlichsten gespürt haben dürften die zwei hardcore-jungs, die wie bereits andere zuvor stage diven wollten und offenbar an einem fleck landeten, wo dieser prozedur unkundiges publikum stand.

dem sympathischen rapper, der auf der bühne alles gibt und einen guten draht zum publikum hat, ist zu wünschen, dass er den mut hat, weiter seiner musikalischen vision zu folgen. es gehört zu den härtesten erfahrungen als künstler zwischen weiterentwicklung/veränderung und erwartungshaltung vermitteln zu müssen.



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