Archived entries for electro

live // JAZZELECTRIC NIGHT

die neuigkeiten sollen ja in einer meldung ganz nach oben, deswegen: HUNDREDS sind morgen wieder in der stadt!

das hamburger duo ist am mittwochnachmittag kurzfristig für den erkrankten DAVE AJU eingesprungen, der leider seinen auftritt zur jazzelectric night absagen musste.

die veranstaltung im rahmen der 35. leipziger jazztage ist damit hochkarätig besetzt.

die geschwister philipp und eva milner spielen eine beinahe akustische version ihrer grandiosen songs: ein flügel, eine stimme und eventuell ein bisschen laptop. während die beiden in den vergangenen monaten sehr erfolgreich mit ihren atmosphärischen visuals und unterstützt von zwei live drummern unterwegs waren, gibt es morgen abend die gelegenheit, HUNDREDS ganz pur in kammermusik-line up zu sehen. ich denke der hinweis, dass die musikalische qualität der beiden dieses line-up absolut trägt, erübrigt sich.

nachzusehen/-hören zum beispiel in diesem “auf den dächern”-clip:

unsere kleine musikinitiative analogsoul ist mit KLINKE AUF CINCH übrigens auch vertreten. anloger live-electro im stereopanorama. wer bislang nicht die gelegenheit hatte, diesen musikern bei der zusammenarbeit mit gitarre, posaune, dj-set, synthie, gesang und beats zuzusehen, sollte das unbedingt nachholen.
es gibt wohl wenig bands, die loungige und clubbige sounds live so intensiv umsetzen, wie die vier thüringer.

hier mal live von der bühne mitgefilmt beim diesjährigen L’ABORE festival.

einen würdigen abschluss liefern ÂME. das produzentenduo aus karlsruhe [siehst du nina, da gibt es doch musik her!] hat früher auf dem jazzanova-label “sonar kollektiv” einige tracks veröfentlicht, bevor dort 2004 ihr sebstbetiteltes debüt erschien.

bekanntestes beispiel für den badischen minimal ist ihr track “rej”

aaaaaaaaaaaaalso nochmal zusammen gefasst:
wann? samstag 10.09.2011, ab 22 uhr
wo? werkII: halle d
wer? HUNDREDS, KLINKE AUF CINCH, ÂME

eintritt ab 14 euro im vorverkauf (0341 141414). an der abendkasse wird es aber auch noch karten geben!

doku // SPEAKING IN CODE

wenn ein ehepaar beschließt, eine doku zu drehen und das ergebnis die scheidung der beiden ist, steigt das interesse, den film zu sehen unabhängig vom inhalt. im fall von SPEAKING IN CODE braucht es diese hintergrundinfo eigentlich nicht, denn der film und sein sujet sind spannend genug – wir haben nur manchmal auch etwas für gossip übrig.

SPEAKING IN CODE ist eine doku über die welt der elektronischen tanzmusik, deren protagonisten auf augenhöhe und mit viel spaß eingefangen werden. für die dokumentation jetteten die amerikaner amy grill und dj david day um die welt, um szene-größen wie MODESELEKTOR, die WIGHNOMY BROTHERS oder MONOLAKE bei ausübung ihrer leidenschaft zu portraitieren.

schön und gut und eigentlich nicht aktuell, da premiere bereits 2009 war und die dvd seit 2010 raus ist.  nun aber gibt es den film eine woche lang kostenlos bei pitchfork.tv sehen:

(direkt-link, via KFMW & nerdcore)

fundstück // CON

scan von stopping off place

das äußerst sympathische blog “stopping off place” versammelt scans von buchseiten. seien es kinderbücher, abschlussarbeiten von illustratoren oder biographien von künstlern. die meist aus bildern bestehenden seiten übereinander angeordnet lassen einen nicht sofort den originalzusammenhang erkennen und hinterlassen gerade dadurch neugier und irritation.

so ging es mir heute morgen bei den fotos aus dem buch “CON-Sequence: The Conrad Schnitzler Biography and Discography”. ein offenbar in selbstinszenierung geübter mann mit selbstgebauten anzügen und apparaturen die alle irgendwie auf musik hindeuten: mikrophone, lautsprecher, kunstkopfstereophonie, aufnahmegeräte um den hals.

ein kurzes googlen bringt gewissheit: conrad schnitzler ist künstler, komponist und vorallem avantgardist der elektronischen musik. er gehörte zur zweiten besetzung von TANGERINE DREAM und hat auch darüberhinaus mit edgar fröse zusammengearbeitet. conrad schnitzlers diskografie weist nicht weniger als 40 jahre experimentelle elektronische musik vor. dabei übrigens auch ein (kurzer) ausflug in den black metal: der frontmann von mayhem fährt dermaßen auf schnitzler ab, dass dieser ihm nach einem persönlichen besuch das intro “Silvesteranfang” zu deren EP deathcrush komponiert hat.

 

1970 - TANGERINE DREAM – ressurection


Direkt-DREAM

 

1992 – CONRAD SCHNITZLER – ballet statique

Direkt-BALLET

 

2008 – CONRAD SCHNITZLER – 00/346.10

DIREKT-00

release // DEEF+FREUNDE “kolonie”

ANA018_COVERvor mittlerweile einigen monaten lag ‘ne mail von einem unbekannten absender im digitalen postfach. der inhalt: die ebenso überraschende wie sympathische nachfrage, ob wir die musik des absenders veröffentlichen wollen.

ein paar email-konversationen und ein interview später liegt er vor euch, unser 18. online release: DEEF+FREUNDE “kolonie”. eine fantastische electro ep die den kopf unterwandert und da ansetzt, wo sprache nicht hinreicht.

DEEF findet außerhalb der stadt schneller und leichter in den bewusstseinszustand, bei dem ihm die sprache entgleitet. “kolonie” erzählt deshalb vom draußen und dessen freiheit von verformenden begriffen. keine angst vor zu viel überbau: DEEFs musik ist deutlich näher am wahrnehmbaren als am zu durchdenkenden. eine natürlich-fließende electro-ep die versucht, dem ungleichgewicht entgegenzuwirken.

 

DOWNLOAD: DEEF+FREUNDE “kolonie” [rechtsklick-save as]


released und CC3.0 license: you’re free to share and remix it, but only if you give credit to the artist and analogsoul as label. this is a free online release, you’re not permitted to use it in commercial ways.

ANA018_BACK

interview // DEEF

deef - fahrradreiseam 06.08. – also kommenden freitag – erscheint unser neuer online release deef & freunde bescheren uns mit “kolonie” eine athmosphärische electro-ep. deef interssiert sich für musik und das meistens häufig. die stadt mag er nicht besonders und so ist der titel der ep programmatisch für die suche nach einer eigenen form von zusammensein im grünen.

deef ist mit seinem fantastischen projekt an uns herangetreten, was uns sehr gefreut hat. es ist sehr angenehm, jemanden über seine musik kennen zu lernen. da ihr das erst in sieben tagen könnt, haben wir ihm schon mal vorab ein paar fragen gestellt. deef wollte über “gott und die welt sprechen”, weil es bei musik ja sowieso um’s hören geht.

EDIT: nicht zu vergessen: die fotos zum interview stammen aus niklas plessings serie “fahrradreise” “albert, is it you?”.

deef, deine ep heißt “kolonie” und erzählt musikalisch z.b. durch vogelzwitschern vom draußen sein. welches draußen ist das?

das draußen ist die nicht-stadt. oft mit pflanzen bewachsen, aber auch steppen sind köstlich.

was stört dich an der stadt?

die stadt erinnert mich durch ihre städtische beschaffenheit an von menschen erschaffene sprache, regeln. stadt – besitzansprüche, beschaffenheit, die zukleisterung mit namen:
dach, wand, straße, ampelanlage, gleise, traurig-verdriesslich-empörte passantenanlagen, autoanlagen, pfand – weg von der annäherung an phänomenal Wahrnehmbares.
ich versinke in der sprache und vergesse zu fühlen und das ist schade, denn ich mag fühlen.
man würde jetzt entgegnen: aber bäume, blätter, wälder sind auch auf einen zukommende namen. dies sei korrekt aber all das zeug ist ohne namen passiert. es hat keine namen benötigt, die namen sind da einfach egal. dächer brauchen dagegen namen, um sie zu bauen.
außerhalb der stadt finde ich schneller und leichter in den bewusstseinszustand bei dem mir die sprache entgleitet.
dieser zustand fühlt sich für mich natürlich-fließender an. als wäre ich näher am mystischen kern der existenz, patheto-esoterisch gesprochen.
(selbstentlarvende entschuldigungen sind erlaubt, aber nur als entlarvungsvorwegnehmende legitimation und das ganze dann als scheinargument!!)

deef - fahrradreisewie produzierst du dann – gleich vor ort draußen, oder mit field recordings, die du dann am rechner zusammen baust?

neee, draußen nie. mein dicker laptop is mir zu schwer. die full HD-auflösung blendet nur unnötig und lenkt ebenfalls von kontemplation ab.
aber seit einem zeitabschnitt nehme ich draußen sachen (vögel, zweige, bienen etc.) auf und verwerte sie liebend gerne, damit ich besser bin als boards of canada, weil sie nur kinder und andere Menschen aus den 70er und 80ern drin haben. leider kann ich mir keinen ordentlichen R2R-recoder leisten, um die analog-wärme reinzubringen. deswegen haben meine freunde einen gefunden, aber es klappt dennoch nicht so gut -
die bänder verwickeln sich dauernd.

was inspiriert dich außer ‘dem draußen’ zu deiner musik?

alles was mich konstituiert, inspiriert mich, also alles was mich macht. oft aber auch andere tracks. ich bin dann erfüllt von ihrer wunderbarigkeit und diese energie muss dann sofort raus – da kann und will ich mich nicht groß wehren.

wer sind die freunde, die du auf der ep als interpreten mit nennst?

das sind christian wagner an e-gitarre, vocal und okarina, alessia mandanici spielt akustische gitarre und sebastian s. an der e-gitarre. alles passionierte, junge musiker, jünger als alt. aufzählungsmusiker. ich war zu faul mit allen zu besprechen, ob und unter welchen namen und überhaupt und so weiter – deswegen “freunde” – wollte auch die unmusikalischen freunde als mitwirker miteinbeziehen.
die meisten von ihnen treffe ich mittlerweile sehr sehr selten persönlich, als auch unpersönlich – orte haben sich veschoben und ich habe sowieso zu viel mit interviewanfragen zu tun.deef - fahrradreise

du scheinst jemand zu sein, der sowohl mit dem bauch arbeitet, als auch einen kritischen überbau für sein schaffen hat. daher hier die gelegenheit für dich, der welt zu sagen, was du ihr sagen willst:

vielen dank für das interview.
ich bin selber ein passionierter dichter und möchte noch kurz mein lieblingsgedicht von brecht zitieren:
kommt ein pferd in die bar. fragt der kellner: “was darfs denn sein? was möchten sie.” antwortet das pferd: “so’n bier wär ganz gut eigentlich. es ist ja ein heißer tag.” der kellner entgegnet hastig: “ah, nee wir bedienen keine pferde hier. dies ist eine pferdefreie bar! bitte gehen sie.”
der mann, der die ganze Zeit neben dem pferd saß, meldet sich plötzlich: “och, meine frau hat mich grad rausgeschmissen. ich hätte gerne noch ein mineralwasser, aber erst mal muss ich dieses iPhone hier auf diese bar legen. ja, ganz genau.”
irgendjemand sagt von hinten: “wie war das nochmal? egal, hab’s vergessen. muss nochmal kurz nachdenken. ich hol mal was an der bar – so laut hier – is’ bestimmt wegen den pferden!”



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