aufgrund der zahlreichen beschwerdemails, dass es vergangene woche keine blogschau gab (/ironie_aus/) diesmal schon kurz nach 12 uhr am montag der blick in die weiten des internets.
1) LAN MIT NEUER SINGLE
ein monster ist ein wesen mit einem erschreckend aus dem maß fallenden merkmal. sei es körperlich, moralisch, geistig oder die stärke betreffend. in diesem sinne lassen die berliner elektriker von LAN der deutung ihrer neuen single (erscheint heute!) erheblichen spielraum.
die sahnige tonlage mit der sänger colya sich an den hörer adressiert und anbietet “I could be your monster” weist darauf hin, dass es sich nicht um eines dieser fiesen, die welt auffressenden monster handelt, sondern um eins der monster, die den alltag aufmischen.
dazu noch dieser geil verklingelte synthie aus dem refrain. hammer. wir empfehlen, das ding zu hören (zu kaufen hier):
2) WLAN-VISUALISIERUNG IN OSLO
wenn man sich mal einen schönen nachmittag machen will, kann mit seinem laptop oder einem anderen mobilen endgerät mal durch die straßen schlendern und dabei die absurdesten namen von drahtlosnetzwerken sammeln. highlight aus unserem direkten räumlichen umfeld: “annas liebeshöhle”.
ein paar menschen in oslo haben sich dem thema etws subtiler – und deutlich ästhetischer – angenommen. mit einem led-stab, der die empfangsqualität von netzwerken als vertikalen ausschlag zeigt sind sie durch oslo gelaufen und haben durch langzeitbelichtung so fotos von der w-lan-landschaft ihrer stadt gemacht. skandinavische dunkelheit künstlerisch genutzt.
auch wenn es seit einigen jahren wieder einen breiteren konsens über musikstile in der urbanen crowd gibt, darf nicht vergessen werden, dass die musikalische sozialisation der nun 20 bis 3x-jährigen in der regel von tiefen brüchen durchzogen wurde. während die hippster-kids heutzutage auf die raves gehen und die technoheads math-folk hören, gab es in den 90ern klare geschmacksgrenzen.
genreübergreifende ikonen sind in jener zeit selten geworden und michael jackson war vielleicht der letzte seiner art. während es für mich persönlich all die jahre total klar war, dass kurt cobain eine ikone ist – wenn auch aus wechselnden motiven – so erfuhr ich neulich, dass andere menschen meines alters das ganz anders sehen: “nirvana hat doch auch keiner gebraucht, oder?”
ich möchte diese position überhaupt nicht kritisieren, da ich sie aus oben genannten gründen gut nachvollziehen kann. aber warum schreibe ich das? seit jener begegnung bin ich mir nicht so sicher, ob die textzeile “I need to talk to Kurt Cobain” nicht ziemlich ironisch gemeint ist. zumal es im song von LAN (ja, die mit dem krassen luftmischpultdingens) um jemanden geht, dessen zeitmaschine ihn aus versehen in die 90er zurück geschickt hat:
das großartige filmische zitat des nirvana-plattencovers am ende lässt mich übrigens glauben, dass LAN im herzen doch kurt-fans sind.
heute gehts los. die dritte auflage des kleinen schönen schicken flutlichtfestivals in jena. organisiert von der hintertorperspektive ist das flutlicht ein besonderes kleinod der festivalkultur. neben fantastischen künstlern, die sich auf der openair bühne im jenaer paradies und auf den aftershowindoorparties in kassablanca und rose die klinke in die hand geben, richtet das festival einen besonderen blick auf gesellschaftliche themen.
vorträge, lesungen, workshops, infostände und theater sollen für mehr verständigung und toleranz unter uns erdenbewohnern werben. das ganze immer so nen bisschen im fussballkontext, das stadion als spiegelbild der gesellschaft, eine metapher, die sich hier auf jeden fall trägt.begleitet wird das ganze nämlich auch noch von einem fussballturnier, ne streetsocceranlage gibts sowieso.
das ganze selbstverständlich kostenlos im park und gegen einen kleinen obolus auf den aftershowclubabenden. das ganze geht nur mit viel enthusiasmus, mit viel love und vielen helfenden händen. alle kuenstler und beteiligten arbeiten für lau für eine gute sache. gemeinsam.
wir finden das mehr als unterstützenswert und werden mit A FOREST und den befreundeten LAN und MICRONAUT unsere besten pferde im stall für dieses wochenende nach jena schicken. das ganze festivalprogramm, genaue zeitpläne und alle infos die man braucht finden sich auf der festivalseite.
das konzept hinter dem “selbstauslöser” ist so einfach wie schlagend: statt einem interviewer stellen sich menschen mit interessanten themen/ideen/projekten einfach in eigenregie vor und ermöglichen so einen authentischen blick in ihren kopf. wir freuen uns für colya und die jungs von LAN, dass ihr infrarot-abstands-mess-regelungs-musik-dings so öffentlichkeit bekommt.
wer kundiger darüber sprechen möchte, als ich es eben tat, der möge das video anschauen: